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Hilfen - Die Sprache zwischen Mensch und Pferd!
Mit Pferden auf Du und Du!
Damit wir als Reiter und den Pferden mitteilen können, brauchen wir HILFEN!
Wir Menschen sprechen miteinander, damit wir uns verständigen können. Ganz am Anfang der menschlichen Geschichte standen Gesten und Grunzlaute bevor der Mensch die ersten Silben sprach und Dingen ihren Namen gab. Man unterhielt sich also mit „Händen und Füßen“. Unsere Körpersprache benutzen wir immernoch, doch leider können die wenigsten sie bewusst richtig deuten und auch erklären. Doch gerade dies ist sehr wichtig beim Umgang mit dem Pferd. Denn erst wenn der Reiter sich seiner Körpersprache bewusst ist, kann er sich auch mit dem Pferd unterhalten.
Pferde unterhalten sich hauptsächlich über ihre Körpersprache. Sie haben relativ wenig Laute. Kleinste Veränderungen von Ohren, Hals und Schweifbewegungen sind schon Zeichen für andere Pferde z. B. zu weichen, zu folgen oder zu flüchten.
Es treffen also zwei unterschiedlich sprechende Wesen aufeinander, wobei dies die Regel ist wenn sich der Mensch mit einem Tier abgibt.
Die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd stellt sich also schwierig dar. Daher ist es notwendig immer auf gezielte und gleiche Kommandos zurückgreifen zu können, damit das Pferd uns versteht. Genau diese Kommandos, auch in kombinierter Abfolge, nennt man Hilfen.
Welche Hilfen gibt es und wie werden sie eingesetzt!
So viel wie nötig, so wenig wie möglich!
Es gibt:
- Gewichtshilfen
- Schenkelhilfen
- Zügelhilfen
- Stimmhilfen
Hilfen werden immer als AKTION gesehen, um vom Pferd eine REAKTION hervorzurufen!
Sobald das Pferd das Richtige macht, wird die Hilfe verringert oder weggelassen. Erst wenn das Pferd von sich aus von der eigentlichen Aufgabe abkommt, werden die Hilfen wieder gegeben.
Die Gewichtshilfe
Man beachte zunächst:
Die Gewichtshilfe kann nur korrekt ausgeführt werden, wenn der Reiter richtig im Sattel sitzt. Daher ist es zunächst wichtig den korrekten Sitz zu üben, bevor man mit den Gewichtshilfen richtig arbeiten kann.
Meiner Meinung nach kann man den korrekten Sitz nicht unbedingt an der Longe auf dem Zirkel üben, da hier die Fliehkraft die meisten Reitanfänger überfordert. Besser ist es das Pferd zwar an die Longe zu nehmen, jedoch die ganze Bahn zu nutzen und auf der Höhe des Reiters immer durch Handanlegen den Sitz korrigieren und kontrollieren. So haben wir nur 4 Ecken in denen die Fliehkraft wirken kann. Außerdem sollte man ab und zu ohne Sattel, eventuell mit Voltigiergurt reiten, um die Bewegungen des Pferdes besser spüren zu können.
Man sollte auch zunächst bei erwachsenen Reitern die Körperhaltung am Boden im Stehen und im Laufen beobachten und analysieren. Ein Mensch der am Boden mit einer Wirbel-säulenverkrümmung nach vorn, zur Seite oder an einem Hohlkreuz leidet, kann im Sattel keinen absolut korrekten Sitz erreichen. Hier muss man Abstriche machen und das Gegebene so gut wie möglich nutzen. Bei Kindern kann man durch das Reiten die Körperhaltung nachhaltig verbessern, aber nur wenn regelmäßig geritten wird.
Die Gewichtshilfe an sich macht sich die Erdanziehung zu nutze. Man versucht durch das Verlagern des eigenen Gewichtes das Pferd zu einer Änderung der Richtung oder der Geschwindigkeit zu bringen.
Wichtig: NIEMALS IN DER HÜFTE ABKNICKEN UM EINE RICHTUNGSÄNDERUNG ZU ERREICHEN!
Wird in der Hüfte eingeknickt, dann verunsichern wir das Pferd. Wir sagen mit dem unteren Teil unseres Körpers z. B. GEH NACH LINKS, aber unser Pendelgewicht (der Oberkörper) sagt GEH NACH RECHTS. Folge ist, das Pferd weiß nicht was es tun soll und wird zwangsweise in die Richtung gehen in die es GEDRÜCKT wird.
Wie macht man es dann richtig? Man setzt sich zunächst locker in den Sattel, legt die Beine an den Pferdekörper und beide Hände unter das Gesäß. Jetzt spürt man seine Sitzbeinhöcker. die Gewichtshilfen sollen so eingesetzt werden, dass man z. B. mit seinem rechten Sitzbeinhöcker an die Wirbelsäule des Pferdes drückt.
Das Gleichgewicht von Reiter und Pferd wird so am wenigstens gestört.
Wie erzeugt man Druck gegen die Wirbelsäule?
- man verdreht die Hüfte, indem man die linke Seite nach vorn und die rechte Seite nach hinten nimmt
- man nimmt die linke Schulter nach vorne
- man legt das rechte Bein vermehrt an
- man belastet die rechte Seite (den rechten Oberschenkel) vermehrt
- der Oberkörper bleibt senkrecht und knickt nicht ein
- der Kopf bleibt erhoben und schaut gerade aus, bzw. in die Richtung in die man reiten möchte
Am besten wird dies ohne Sattel geübt, da man hier die Wirbelsäule des Pferdes und die Muskeln besser spürt. Hilfreiche Übungen sind hier Schlangenlinien, am besten nur mit Halsring oder Stallhalfter geritten.
Die Schenkelhilfe
Die Schenkelhilfe kann nochmals in verschiedene Hilfen unterteilt werden.
- Durch Druck der Oberschenkel
- Durch Druck der Knie
- Durch Druck und/oder Verlagerung der Unterschenkel
- Durch Druck der Füße mittels Sporen
- Durch Druck der Füße auf den Steigbügel
Druck der Oberschenkel
Wenn man die Hüfte bei der Gewichtshilfe dreht, so verändert sich automatisch der Druck des Oberschenkels auf der gegenüberliegenden Seite.
Druck durch die Knie
Diesen Druck nennt man auch Knieschluss. Früher wollte man, dass man die Knie fest an den Sattel andrückt. Von dieser Art ist man abgekommen da man gemerkt hat,
- dass die Knie hochgezogen werden
- dass der Sitz darunter leidet, weil er zu starr wird
Daher lässt man die Knie locker am Sattel anliegen und benutzt sie nur gezielt.
Druck und Verlagerung der Unterschenkel
Betrachtet man die korrekte Sitzposition des Reiters, so ist der Knöchel in einer senkrechten Linie zum Hüftknochen. Diese Position des Unterschenkels ist die NORMALSTELLUNG. Nimmt man nun den Unterschenkel eine Handbreit weiter nach hinten, so hat man einen vorwärtstreibenden Schenkel. Nimmt man den Schenkel nach vorne so hat man beim Westernpferd einen bremsenden Schenkel (man betrachte Bild eines Stopps).
Ebenso benötigen Seitwärtsbewegungen einen Unterschenkel der weiter hinten anliegt.
Um das Pferd in eine schnellere Gangart zu bekommen benutzt man beide Beine gleichzeitig mit soviel Druck, bis das Pferd in die gewünschte Gangart ist. Danach wird der Druck weggenommen.
Man sollte die Schenkel anlegen und nicht klopfen! Nur dadurch kann ich später gezielt und dennoch für Zuschauer fast unsichtbar Tempo zugeben. (Beim Vorwärtsreiten)
Druck der Füße mittels Sporen
Mit den Sporen an den Füssen kann man die Hilfen gezielter, jedoch mit weniger Kraft durchsetzen.
Man beachte hier, dass der Reiter soviel Fähigkeit besitzt seine Beine kontrolliert einzusetzen weiß, damit er das Pferd nicht dauernd traktiert.
Durch Druck der Füsse auf den Steigbügel – Bügeltritt
Bei sehr gut gerittenen Pferden können gute Reiter die Gewichtshilfe bis auf den Bügeltritt verringern. Hierbei wird einfach vermehrt Druck auf den jeweiligen Steigbügel gegeben, was beim feinfühligen Pferd eine Änderung in Richtung, Bewegung und Versammlung veranlasst.
Die Zügelhilfen
Nichts ist beim Pferd empfindlicher als das Maul. Daher sollte es das Ziel des Reiters sein, dieses so weit wie möglich in Ruhe zu lassen.
Hier setzen wir uns aber in eine Zwickmühle. Jedoch werden die Zügel lang und länger gelassen, um das Pferd im Maul nicht zu stören, wird das Pferd ebenfalls lang und länger und geht nicht mehr in der nötigen Versammlung.
Für Reitanfänger ist der Zügel eine wichtige Hilfe, um die Richtung zu ändern. Da man sich am Anfang auf so viele neue Eindrücke konzentriert, ist dies auch o. k. so. Doch sollte man sich zum Ziel machen die Zügelhilfen zu minimieren und gezielter einzusetzen.
Um dieses Ziel zu erreichen müssen zunächst der korrekte Sitz und die Gewichtshilfen als Selbstverständlichkeit in Fleisch und Blut übergehen.
Wenn dies geschehen ist, wird man merken dass man zur
- Richtungsänderung
- Geschwindigkeitsregulierung
immer weniger Zügelhilfen benötigt, da der Körper die meiste Arbeit schon verrichtet.
Jetzt werden die Zügelhilfen vermehrt zur Versammlung eingesetzt. Man lässt das Pferd „gegen den Zügel laufen.“ Das bedeutet man versucht das Pferd wie eine Feder zwischen Nase und Schweif zu spannen, mit dem Ziel dass es den Rücken aufwölbt – dadurch Rücken- und Bauchmuskeln trainiert – um den Reiter besser zu tragen.
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